Formen der Neurodivergenz

Es werden drei Haupterscheinungsformen unterschieden:

Aufmerksamkeit, Impulse und Aktivität lassen sich schwerer steuern. Man unterscheidet drei Erscheinungsformen:

  • vorwiegend unaufmerksam: verträumt, vergesslich, leicht ablenkbar und deshalb oft lange unerkannt
  • vorwiegend hyperaktiv-impulsiv: innerlich getrieben, ungeduldig, schnell im Handeln
  • kombiniert: beides zusammen

Ein Spektrum mit vielen Ausprägungen. Häufig sind:

  • eine eigene Art, soziale Signale zu lesen und zu kommunizieren
  • intensive Interessen und ein scharfer Blick für Details
  • ein Bedürfnis nach Routinen und Vorhersehbarkeit
  • eine besondere Empfindlichkeit für Geräusche, Licht oder Berührung

Ein Profil, das dem Autismus-Spektrum zugeordnet wird. Typisch sind:

  • starker Widerstand gegen alltägliche Anforderungen, selbst bei Dingen, die man gerne tun würde
  • Angst als Antrieb dahinter: Anforderungen fühlen sich wie ein Verlust von Kontrolle an
  • einfallsreiche Strategien, um auszuweichen, etwa ablenken, verhandeln oder aufschieben
  • rasche Stimmungswechsel, wenn der Druck steigt

Neurodivergenz im Erwachsenenalter

Bei Erwachsenen zeigt sich Neurodivergenz oft anders als bei Kindern. Viele haben über Jahre gelernt, sich anzupassen, und zahlen dafür mit Erschöpfung. Typisch sind:

  • Mühe mit Zeitplanung und Organisation
  • Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen und dranzubleiben
  • Aufschieben, auch bei wichtigen Dingen
  • starke Gefühle und rasche Stimmungswechsel
  • Missverständnisse in Beziehungen und im sozialen Umgang
  • Probleme am Arbeitsplatz trotz guter Qualifikation
  • Reize, die sich kaum ausblenden lassen: Geräusche, Licht, Unruhe
  • viele angefangene Interessen und Projekte, wenige abgeschlossene
  • ein Hang zu riskanten Entscheidungen
  • harte Selbstkritik und ein angeschlagenes Selbstwertgefühl

Stärken, die dazugehören

Neurodivergente Menschen bringen oft besondere Stärken mit. In der Therapie machen wir sie sichtbar und nutzbar:

  • Kreativität und ungewöhnliche Lösungswege
  • viel Energie und ansteckende Begeisterung
  • ein schnelles Gespür für Zusammenhänge und Muster
  • tiefe Konzentration auf alles, was interessiert
  • Spontaneität und Flexibilität
  • Genauigkeit und ein Auge fürs Detail
  • Ehrlichkeit und ein starker Gerechtigkeitssinn
  • Einfühlungsvermögen und Feingefühl
  • Durchhaltevermögen: Wer sich ein Leben lang angepasst hat, hat viel gelernt

Welche davon auf Sie zutreffen, ist so individuell wie Sie selbst.

Mein Ansatz bei Neurodivergenz

Neurodivergenz lässt sich nicht wegtherapieren, und das ist auch nicht das Ziel. Mir geht es darum, dass Sie verstehen, wie Ihr Kopf arbeitet, und Ihr Leben so einrichten, dass es dazu passt. Dazu gehört fast immer das Umfeld: Partner:in, Familie, Schule oder Arbeitgeber. Bei Kindern und Jugendlichen arbeite ich deshalb eng mit den Eltern zusammen.

Bei mir müssen Sie sich nicht verstellen. Wir richten die Therapie nach Ihnen aus, auch Tempo und Struktur der Sitzungen.

Gemeinsam erarbeiten wir:

  • ein Verständnis dafür, wie Ihr Kopf arbeitet und was das für Ihren Alltag heisst
  • Strategien für Organisation, Zeitplanung und Reizüberflutung
  • Wege, mit starken Gefühlen und Überlastung umzugehen
  • einen freundlicheren Blick auf sich selbst und die eigene Geschichte
  • Klarheit darüber, was Sie brauchen und wie Sie es anderen sagen
  • Ihre Stärken und wo Sie sie einsetzen können
  • Gespräche mit Partner:in, Familie, Schule oder Arbeitgeber, auf Wunsch gemeinsam

Ob eine Abklärung sinnvoll ist und wo Sie sie machen können, besprechen wir zusammen. Bei der Frage nach Medikamenten, etwa bei ADHS, stimme ich mich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Sie müssen nicht auf den ersten Termin warten:

  • Beobachten Sie, was Ihnen Energie gibt und was sie raubt, und notieren Sie es.
  • Entlasten Sie Ihr Gedächtnis: Kalender, Erinnerungen und Listen an einem festen Ort.
  • Zerlegen Sie grosse Aufgaben in kleine Schritte und beginnen Sie mit dem ersten.
  • Schützen Sie sich vor Reizüberflutung, etwa mit Kopfhörern, Pausen oder einem ruhigen Rückzugsort.
  • Planen Sie nach anstrengenden Tagen bewusst Erholung ein.
  • Tauschen Sie sich mit anderen neurodivergenten Menschen aus, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe.
  • Sagen Sie Ihrem Umfeld, was Ihnen hilft.

Sprechen wir darüber

Ob Sie eine Diagnose haben, eine vermuten oder einfach verstehen möchten, warum manches anders läuft: Melden Sie sich. In einem ersten Gespräch finden wir heraus, was Sie brauchen und ob mein Ansatz zu Ihnen passt.