Wie häufig sind Depressionen?

Sehr häufig. In der Schweiz erkrankt etwa jede fünfte Person im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Sie kann in jedem Alter auftreten und trifft Menschen unabhängig von Herkunft, Bildung oder Beruf. Wer betroffen ist, ist damit alles andere als allein.

Formen der Depression

Unipolare Depression
Die häufigste Form: Über mindestens zwei Wochen, oft über Monate, sind Stimmung, Antrieb und Freude deutlich gedrückt. Eine solche Episode kann einmalig bleiben oder wiederkehren. Phasen übersteigerter Hochstimmung gibt es dabei nicht.

Dysthymie
Eine mildere, dafür hartnäckige Form: Die Stimmung ist über Jahre gedrückt, ohne dass der Alltag ganz zusammenbricht. Viele Betroffene halten das irgendwann für ihren Charakter und merken erst spät, dass es sich behandeln lässt.

Postpartale Depression
Sie entwickelt sich in den Wochen und Monaten nach einer Geburt und geht über den kurzen «Babyblues» hinaus: Erschöpfung, innere Leere, Schuldgefühle und die Sorge, dem Kind nicht gerecht zu werden. Auch Väter können betroffen sein.

Saisonale Depression
Sie kommt mit den dunklen Monaten und geht im Frühling wieder. Typisch sind grosse Müdigkeit, mehr Schlafbedürfnis und Heisshunger auf Süsses. Wer das Muster kennt, kann rechtzeitig gegensteuern, etwa mit Tageslicht und Bewegung.

Wie äussert sich eine Depression?

Depression manifestiert sich auf verschiedenen Ebenen: 

  • Anhaltende Niedergeschlagenheit, Traurigkeit
  • Gefühl der Leere und Hoffnungslosigkeit
  • Verlust von Freude und Interesse (Anhedonie)
  • Verminderte emotionale Reagibilität
  • Reizbarkeit, innere Unruhe
  • Negative Gedankenmuster und Grübeln
  • Selbstzweifel, Selbstkritik, Schuldgefühle
  • Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten
  • Pessimistische Zukunftsperspektive
  • Suizidgedanken
  • Anhaltende Müdigkeit und Energielosigkeit
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen oder vermehrtes Schlafbedürfnis)
  • Appetit- und Gewichtsveränderungen
  • Psychomotorische Verlangsamung oder Unruhe
  • Körperliche Beschwerden ohne organische Ursache (z.B. Kopf- oder Rückenschmerzen)
  • Sozialer Rückzug
  • Vernachlässigung von Hobbies und Aktivitäten
  • Verminderter Antrieb, selbst einfache Alltagsaufgaben fallen schwer
  • Reduzierte Mimik und Gestik
  • Verändertes Kommunikationsverhalten

Woher kommt eine Depression?

Selten gibt es die eine Ursache. Meist kommen mehrere Dinge zusammen:

Körper

  • erbliche Veranlagung
  • Veränderungen im Gehirn und im Stresssystem des Körpers
  • hormonelle Einflüsse

Lebensgeschichte und Belastungen

  • einschneidende Ereignisse wie Verluste, Trennungen oder berufliche Umbrüche
  • Dauerstress und Überforderung
  • belastende Erfahrungen in der Kindheit

Beziehungen und Umfeld

  • eingespielte Muster in der Familie: wie man miteinander spricht und umgeht
  • Rollen und Erwartungen, die schwer zu erfüllen sind
  • der Umgang mit Belastungen, der über Generationen weitergegeben wird
  • kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse

Das heisst auch: Es gibt mehrere Stellen, an denen man ansetzen kann.

Mein Ansatz bei Depression

Eine Depression verändert, wie man sich selbst, die anderen und die Zukunft sieht. Sie wirkt auf Partnerschaft, Familie und Arbeit, und diese wirken zurück. Deshalb schaue ich mit Ihnen auf beides: auf das, was in Ihnen vorgeht, und auf das Leben, in dem die Depression auftritt. Wir beginnen klein und bauen Schritt für Schritt wieder auf, was Ihnen Kraft gibt.

Bei mir finden Sie einen sicheren Raum, in dem Sie nichts leisten müssen. Wir richten die Therapie nach Ihnen aus, und Sie bestimmen das Tempo mit.

Gemeinsam erarbeiten wir:

  • klare, erreichbare Ziele
  • ein Verständnis dafür, wie Ihre Depression entstanden ist und was sie aufrechterhält
  • kleine Schritte zurück zu dem, was Ihnen guttut
  • einen anderen Umgang mit Grübeln und Selbstkritik
  • einen persönlichen Plan für schwierige Tage und Krisen
  • mehr Vertrauen in Ihre Stärken
  • offenere Gespräche mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind, auf Wunsch gemeinsam mit ihnen

Wenn es sinnvoll ist, etwa bei der Frage nach Medikamenten, stimme ich mich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Sie müssen nicht auf den ersten Termin warten:

  • Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen.
  • Halten Sie eine einfache Tagesstruktur ein: aufstehen, essen und schlafen zu festen Zeiten.
  • Bewegen Sie sich, am besten draussen bei Tageslicht. Auch zehn Minuten zählen.
  • Nehmen Sie sich Kleines vor und rechnen Sie es sich an.
  • Seien Sie zurückhaltend mit Alkohol. Er drückt die Stimmung zusätzlich.
  • Schieben Sie grosse Lebensentscheidungen auf, bis es Ihnen besser geht.
  • Lassen Sie bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt körperliche Ursachen abklären.

Wenn Sie daran denken, nicht mehr leben zu wollen, warten Sie nicht: Die Dargebotene Hand ist unter 143 rund um die Uhr erreichbar, im Notfall wählen Sie 144.

Sprechen wir darüber

Der erste Schritt fällt in einer Depression besonders schwer. Er muss nicht gross sein: Eine kurze Nachricht genügt, und wir finden in einem ersten Gespräch heraus, ob mein Ansatz zu Ihnen passt.